Suizid-Neigung

Prävention mittels Hirn-Scan?

Von Helena Muhm · 2019

Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland ungefähr 10.000 Menschen das Leben. Die Anzahl der Suizidversuche liegt schätzungsweise bei etwa 100.000 im Jahr. Um Suizidgefährdeten schneller helfen zu können, arbeiten US-amerikanische Forscher an einer neuen Methode. Sie soll mithilfe neuronaler Muster das Risiko für einen Suizid identifizieren.

Gehirn-Scans; Thema: Suizid-Neigung
Die Suizid-Neigung eines Menschen sichtbar zu machen, ist mithilfe bildgebender Verfahren möglich. Foto: iStock/Ildar Imashev

Es ist ein Gedanke, den nicht wenige Menschen schon einmal hatten: „Ich möchte nicht mehr leben.“ Sie sehen keinen anderen Ausweg, als ihrem Leben ein Ende zu setzen. Oft vermutet man hinter einem Suizid eine Depression oder andere schwerwiegende psychische Erkrankung, doch die Ursachen sind weitaus komplexer. 

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Suizidgedanken entwickeln sich aus einem Zusammenspiel biologischer, sozialer, psychologischer und kultureller Faktoren. Neben bekannten Ursachen wie Depressionen, Drogen- oder Alkoholsucht, können das Gefühl der Einsamkeit oder Armut ein Risiko darstellen. Auch chronische Erkrankungen oder psychosoziale Krisen, beispielsweise eine Trennung vom Partner oder der Verlust des Arbeitsplatzes, können eine Ursache sein. Lange suchte man nach einer Möglichkeit, um Suizide zu verhindern. Doch die Neigung eines Menschen hierfür rechtzeitig zu erkennen, ist schwierig, da Betroffene ihre Gedanken oft verheimlichen. Forschern der University of Pittsburgh School of Medicine sind nun entscheidende Fortschritte in der Suizidprävention gelungen: Tests mit suizidgefährdeten Personen, die sich freiwillig in psychologische Behandlung begeben haben und solchen, die psychisch gesund sind, zeigten, dass es möglich ist, die Suizidneigung betroffener und nicht betroffener Menschen zu unterscheiden. 

Suizid-Neigung frühzeitig erkennen

Die Probanden sollten an bestimmte Begriffe denken, die mit Tod oder Leben verknüpft sind. Währenddessen erfasste man ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomographie. 

Es ist bekannt, dass Suizidgefährdete in einer auffälligen Weise über bestimmte geistige Konzepte nachdenken. Es zeigte sich, dass die Vorstellungen zu diesen Begriffen besonders charakteristische Muster der Hirnaktivität auslösten, in denen sich die suizidgefährdete Probanden von den psychisch gesunden unterschieden. Die Forscher trainierten dann ein lernfähiges Computersystem, diese Muster zu erkennen. Als sie das Verfahren auf die Probe stellten, wurden 15 von 17 Probanden korrekt als suizidgefährdet und 16 von 17 gesunden Teilnehmern als Mitglieder der Kontrollgruppe identifiziert. Anschließend wendeten sie ihr Verfahren gezielt bei den suizidalen Patienten an, die sie in zwei Gruppen einteilten: Probanden, die bereits Suizidversuche unternommen hatten und Teilnehmer, die bisher nur entsprechende Gedanken gehabt hatten. Auch dabei zeigte das lernfähige Computersystem Erfolge. Die Forscher betonen, dass noch weitere Untersuchungen nötig seien, um die Effektivität des Verfahrens zu bestätigen. In Zukunft könnte es aber tatsächlich eine Möglichkeit bieten, um Suizide zu verhindern.

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