Transkranielle Magnetstimulation

Traurigkeit mit Magneten abstoßen

Von Dr. med. Sarah Schroth · 2019

Bei Schmerz- und Suchtpatienten kommen sie schon länger erfolgreich zum Einsatz: Magnete, die einen Ausgleich der aus der Balance geratenen Hirnaktivität bewirken sollen. Nun entdecken Mediziner das gut verträgliche Behandlungsverfahren verstärkt als ergänzende Therapie von Menschen mit Depressionen für sich.

Verzweifelte Frau sitzt auf dem Boden und rauft sich die Haare. Thema: Transkranielle Magnetstimulation bei Depression
Frauen werden häufiger von einer Depression heimgesucht. Foto: iStock / PRImageFactory

Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. In Deutschland ist etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens davon betroffen. Trotz der oft dramatischen Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und deren Umfeld, wird die Erkrankung in vielen Fällen erst spät erkannt und behandelt. Erschöpfung, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen und Reizbarkeit stellen nur einen kleinen Teil der möglichen Symptome dar. Neben dem heterogenen Beschwerdebild, sind Scham und auch die bestehende Stigmatisierung rund um die Erkrankung eine große Hürde in der Früherkennung. 

Erfolgreicher Goldstandard

Erfreulicherweise können Depressionen heute in den allermeisten Fällen erfolgreich behandelt werden. Antidepressiv wirksame Medikamente – sogenannte Antidepressiva – sind eine wichtige Säule in der Behandlung. Sie ermöglichen der Mehrzahl der Patienten der Spirale der Traurigkeit zu entkommen und ein selbstbestimmtes, normales Leben zu führen. Ähnliche Erfolge erzielt auch die Psychotherapie. Entweder alleine, oder in Kombination mit Antidepressiva, führen die regelmäßigen Therapiegespräche bei bis zu 90 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Besserung. Bei einem kleinen Teil der Patienten kommt es aber trotz Behandlung zur Stagnation. Zudem können Antidepressiva bei einigen Patienten zu so starken körperlichen Nebenwirkungen führen, dass eine medikamentöse Behandlung nicht möglich ist.

Quelle: DAK, 2019

Transkranielle Magnetstimulation: Blick über den Tellerrand

Bei schweren, therapieresistenten Depressionen, gibt es – neben neueren Therapiemethoden, wie der Elektrokrampftherapie oder der Behandlung mit Ketamin – einen für viele Menschen noch unbekannten Hoffnungsträger: die transkranielle Magnetstimulation (TMS). Hier wird die vordere linke oder rechte Hirnhälfte, der sogenannte präfrontale Cortex, der für die Handlungsplanung und -steuerung verantwortlich ist, mittels Magnetfeldern stimuliert. Die Behandlung erfolgt mit einer dafür vorgesehenen stromführenden Spule, die von außen über den Schädel gehalten wird. Patienten berichteten nach einem Behandlungszeitraum von drei bis sechs Wochen und zehn bis 30 Sitzungen von einer akuten Verbesserung der Beschwerden. Außer seltenen Kopfschmerzen und der ganz seltenen Auslösung eines Krampfanfalles sind Nebenwirkungen kaum zu beobachten. Die langfristige Wirksamkeit von TMS – alleine oder in Kombination mit Medikamenten und Psychotherapie – lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Hierzu sind weitere Forschungen notwendig.

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