Was tun bei Migräne?

„In der Versorgung muss sich was tun“

Von Nadine Effert · 2020

Portrait: Dr. Stefanie Förderreuther
Dr. Stefanie Förderreuther

Acht Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Migräne. Längst nicht alle Betroffenen werden adäquat behandelt. Woran das liegt und welche aktuellen Vorstöße für eine verbesserte Versorgungsqualität sorgen sollen, beleuchtet PD Dr. Stefanie Förderreuther, erste Vizepräsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG).

Was unterscheidet Migräne von anderen Kopfschmerzarten?

Bei der Migräne handelt es sich um eine hirneigene Erkrankung, die zu wiederkehrenden heftigen Kopfschmerzattacken führt und mit stark beeinträchtigenden Begleitbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- Geruchs- und Lärmempfindlichkeit einhergeht. 

Ist Migräne eine unterschätzte Krankheit?

Ja, Migräne wird oft nur als ein banaler Kopfschmerz abgetan. Noch immer behandeln sich viele Patienten jahrelang selbst und riskieren so eine Chronifizierung. Ihnen entgehen neben der richtigen Therapie der Attacke somit auch die vorhandenen Möglichkeiten zur Prophylaxe.

Wie bewerten Sie die aktuelle Versorgungsqualität?

Eine DMKG-Befragung hat gezeigt, dass nur jeder zweite Kopfschmerzpatient einen Arzt konsultiert. Nur 20 Prozent der Patienten mit häufigen Attacken erhielten eine Migräne-Prophylaxe. Das liegt an den Betroffenen selbst, da viele keinen Arzt aufsuchen, aber auch an den Möglichkeiten der Hausärzte. Ihnen fehlt oftmals schlichtweg die Zeit für eine differenzierte Beratung, dabei muss jeder Kopfschmerz individuell behandelt werden. 

Die DMKG setzt sich aktuell verstärkt dafür ein, dass alle Patienten schnell die richtige Diagnose und eine wirksame Therapie erhalten.

Richtig, um dieses Ziel zu erreichen, haben wir, anlässlich des Weltkopfschmerztages 2019, die Initiative „Attacke! Gemeinsam gegen Kopfschmerzen“ ins Leben gerufen und sind im Juni 2020 mit dem DMKG-Kopfschmerzregister gestartet. Wir unterstützen Hausärzte mit Fortbildungen zur sicheren, zeiteffizienten Diagnose, weisen auf häufige Fallstricke in der Kopfschmerzdiagnostik hin, informieren über die zum Teil neuen Optionen der Akuttherapie- und Prophylaxe und bieten für Patienten Informationsmaterialien an.

Und was steckt hinter dem bundesweiten Register?

Mit dem Register möchten wir Lücken in der Versorgung schließen, indem wir teilnehmende ÄrztInnen und ihre Patienten miteinander über ein Internetportal verbinden. Dort können wesentliche Eckdaten – etwa zur Vorgeschichte, Vortherapien oder zu Begleiterkrankungen – verschlüsselt eingegeben werden, sodass im direkten Arzt-Patientengespräch mehr Zeit für die individuelle Therapieplanung bleibt. Das Register wird durch eine App ergänzt, die als Kopfschmerzkalender funktioniert. Die systematisch gesammelten digitalen Daten können in anonymisierter Form künftig für wissenschaftliche Auswertungen in der Versorgungsforschung genutzt werden.

Quellen: Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft e. V., Stiftung Kopfschmerz, Techniker Krankenkasse, 2020

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